Urbane Beleuchtung als Bestandteil der Freiraumwende
Nach Einbruch der Dunkelheit wird die Stadt durch eine gezielte Beleuchtung sicht- und erlebbar. Wege lassen sich erkennen, Plätze öffnen sich zu Treffpunkten, Parks werden zum Aufenthaltsraum. Kurzum: Öffentliche Räume werden durch Beleuchtung auch nach Einbruch der Dunkelheit nutzbar. Gleichzeitig bewegt sich der Einsatz von künstlicher Beleuchtung in einem Spannungsfeld zwischen menschlichen Bedürfnissen nach Sicherheit und nutzbaren Wegen sowie unserer ökologischen Verantwortung gegenüber der Natur und den Tieren und damit der Wahrung natürlicher Dunkelheit. Für eine Freiraumwende und damit eine Gestaltung urbaner Freiräume im Sinne von Menschen und Natur zugleich müssen diese Dimensionen in ein Gleichgewicht gebracht werden.
Beleuchtung für alle – aber bewusst
Die Aufgabe urbaner Beleuchtung liegt darin, Menschen Sicherheit und Orientierung zu geben. Straßen müssen in einem Maß ausgeleuchtet sein, dass Menschen ihre Wege, Hindernisse und andere Personen erkennen können und nicht zuletzt auch ein persönliches Sicherheitsgefühl gewahrt bleibt. Bei der Planung von Beleuchtung müssen die Bedürfnisse unterschiedlicher Nutzerinnen und Nutzer berücksichtigt werden: Auto- und Motorradfahrer*innen, Fußgänger*innen, Radfahrende, ältere Menschen, Familien mit Kindern und Menschen mit körperlichen Einschränkungen. Während all diese Gruppen die gleichen Straßen nutzen, sind ihre Bedürfnisse unterschiedlich.
Doch nicht nur Wege und Straßen benötigen eine adäquate Beleuchtung. Licht inszeniert und strukturiert Architektur. Es hebt infrastrukturelle Besonderheiten (Gebäudedetails, gestaltete Plätze und öffentliche Kunst) hervor. Licht steigert die Attraktivität von Begegnungsräumen, macht sie auch in der Dunkelheit nutzbar. An diesen Punkten entscheidet sich die individuelle Atmosphäre eines Ortes. Auch in der Architektur kann Licht Struktur geben, Gebäude, Brunnen und öffentliche Kunst hervorheben und Aufenthaltsräume attraktiv und auch in der Dunkelheit nutzbar machen. Schließlich entscheidet sich an diesen Punkten die individuelle Atmosphäre eines Ortes.
Beleuchtungslösungen sind darüber hinaus relevant für nachtaktive Tiere, vorrangig Insekten. Primär orientieren sie sich am Licht des Mondes. Diese Orientierung ist über die Jahrhunderte erschwert worden. Die Lösung ist die gezielte und umweltbewusste Nutzung von Lichtlösungen. Eine verantwortungsvolle Außenbeleuchtung berücksichtigt die Bedürfnisse des Menschen, der Flora und der Fauna. Beleuchtung muss dafür gezielt geplant und genutzt werden – Licht soll nur dort eingesetzt werden, wo es benötigt wird. Wo immer es geht, soll der Nacht der dunkle Nachthimmel überlassen oder zurückgegeben werden.
Ein entscheidender Faktor: die Farbtemperatur des Lichts
Zum gezielten Einsatz von Beleuchtung gehören die Platzierung der Leuchten, die Lichtlenkung, die Anzahl der Lichtpunkte, die Lichtleistung sowie die Farbtemperatur des Lichts. Letztere hat einen großen Einfluss auf die Wahrnehmung der Beleuchtung durch die Fauna. Tiere, insbesondere Insekten, reagieren sehr sensibel auf kurzwelliges Licht mit hohem Blaulichtanteil – sie werden davon buchstäblich angezogen. Deswegen wird insbesondere in der Nacht eine warme Lichtfarbe mit niedriger Farbtemperatur von etwa 3.000 Kelvin oder niedriger empfohlen. Diese Farbtemperaturen unter 3000 Kelvin bieten warmes Licht mit nochmals deutlich reduziertem Blaulichtanteil im Sinne der nachtaktiven Tiere – eine gute Beleuchtung für den Menschen ist dennoch gewährleistet.
Noch wärmere Amberfarben um 1.800 Kelvin können ökologisch zusätzliche Vorteile bringen, weil sie den Blauanteil noch weiter reduzieren und so von vielen nachtaktiven Insekten weniger stark wahrgenommen werden. Leuchtenhersteller wie BEGA haben sich dieser Thematik angenommen und ihre Leuchten so weiterentwickelt, dass sie auch einen ökologischen Mehrwert bieten. Die BEGA BugSaver® Technologie macht genau das möglich: Leuchten können zwischen einem warmen Standardlicht mit 3.000 Kelvin und einem Amber-Farbton mit rund 1.800 Kelvin umgeschaltet werden – bedarfsgerecht, jahreszeitenabhängig und automatisiert über intelligente Steuerungssysteme wie BEGA Connect. So lässt sich die Beleuchtung in den noch belebten Abendstunden auf ein warmes Licht einstellen und in den ruhigen Nachtstunden auf Amberlicht mit nochmals reduziertem Blaulichtanteil wechseln.
Ansatzpunkte verantwortungsvoller Beleuchtung
Verantwortungsvolle Außenbeleuchtung beginnt mit dem Prinzip, Licht systematisch zu lenken und zu dosieren. Licht darf nur in den Raum fallen, für den es bestimmt ist – auf Wege, Plätze, Eingänge und Sitzbereiche oder das Gebäude – und nicht in die umgebende Natur oder in den Himmel. Technisch lässt sich dies durch Leuchten erreichen, die Licht präzise lenken und streulichtarm arbeiten. Dark-Sky-Leuchten setzen dieses Prinzip konsequent um: Sie richten ihr Licht hocheffizient auf die zu beleuchtende Fläche und geben weniger als ein Prozent ihres Lichtstroms in den oberen Halbraum ab. Das garantiert eine wirkungsvolle Beleuchtung des gewünschten Bereichs, ohne den Nachthimmel zu illuminieren – und ermöglicht so nachtaktiven Tieren die Orientierung.
Ebenso wichtig ist die flexible Steuerung: Licht kann automatisiert gedimmt, zeitlich gesteuert oder durch Präsenzsensoren aktiviert werden. So wird Licht nicht durchgängig über Nacht betrieben, sondern nur dann und dort genutzt, wo es tatsächlich gebraucht wird. Diese Kombination aus Lichtlenkung, Farbwahl und intelligenter Steuerung kann menschliche Sicherheit und Nutzungserlebnis gewährleisten und gleichzeitig ökologische Belastungen reduzieren.
Zwei Beispiele – Licht in der Stadtlandschaft
Presidio Tunnel Tops, San Francisco
Ein atemberaubender Blick über das Wasser hoch auf die beleuchtete Golden Gate Bridge – diese wohl einzigartige Aussicht bieten die Presidio Tunnel Tops, ein 14 Hektar großer Park im Presidio, einem Nationalpark in San Francisco. Auf mehreren Ebenen finden Besucher*innen Grill- und Picknickplätze, Spielbereiche für Kinder und Sitzgelegenheiten, verbunden durch zahlreiche Wege.
Bei der Umwandlung in einen öffentlichen Park entschieden sich die Lichtplaner*innen des Büros HLB Lighting bewusst für eine Lichtgestaltung, die die örtliche Flora und Fauna schützt und gleichzeitig ausreichend Orientierung bietet. Das Leitprinzip: eine Hierarchie des Lichts. Im oberen Parkbereich sorgen BEGA Aufsatzleuchten mit Mattglaslinse für eine angenehme, blendfreie Beleuchtung der Wege und Aufenthaltsplätze. Tiefer im Park übernehmen BEGA Pollerleuchten diese Aufgabe – etwa entlang des Cliff Walk mit seinen Ausblicken auf die Golden Gate Bridge, Angel Island und Alcatraz sowie des Bluff Walk hinunter zur Spielfläche. Durch ihre niedrige Bauhöhe bleibt der Lichtkegel nah am Boden und lässt sich präzise lenken.
Ergänzt wird die Beleuchtung durch Handlaufleuchten an Treppen, Akzentlicht unter skulpturalen Bänken sowie Einbauwandleuchten an Aussichtspunkten und den Presidio Steps. Curfew-Steuerungen dimmen die Beleuchtung im Spielbereich mit Einbruch der Schließzeit und begrenzen so den Lichtstreuung in das angrenzende Feuchtgebiet. Das Ergebnis ist kein uniform beleuchteter Park, sondern ein differenzierter Raum, in dem Licht atmosphärisch und funktional wirkt – ohne die umgebende Ökologie unnötig zu belasten.
Ford House Visitor Center, Michigan
Das Ford House Visitor Center in Michigan liegt eingebettet in eine historische Park- und Gartenlandschaft. Hier wird besonders deutlich, wie sensibel Licht mit Architektur und Natur zusammenspielen kann. Das Besucherzentrum ist Teil eines Ensembles aus historischen Gebäuden, Gärten und Wegen. Die Beleuchtung unterstützt die Orientierung und hebt architektonische Details hervor, ohne die Umgebung zu dominieren.
Pollerleuchten markieren Wege mit gerichteten Lichtkegeln, Fassaden werden mit warmem, zurückhaltendem Licht akzentuiert. Die Lichtquellen sind so ausgerichtet, dass sie weder blenden noch unnötig in die Landschaft abstrahlen. Statt einer flächigen Aufhellung entsteht eine differenzierte Lichtlandschaft, die den Charakter des Ortes respektiert.
Besonders im Kontext historischer Anlagen wird deutlich, wie wichtig Zurückhaltung ist. Licht darf hier nicht inszenatorisch überhöhen, sondern muss sich dem Ort unterordnen. Das Projekt zeigt exemplarisch, dass verantwortungsvolle Außenbeleuchtung nicht im Widerspruch zu Atmosphäre steht. Im Gegenteil: Gerade die gezielte Begrenzung des Lichts schafft Tiefe, Kontrast und räumliche Lesbarkeit.
Licht im Dienst von Stadt und Natur
Diese Beispiele machen deutlich: Urbane Beleuchtung muss nicht in einem Gegensatz zu ökologischer Verantwortung stehen. Vielmehr kann sie Sicherheit, Aufenthaltsqualität und Umweltbewusstsein miteinander verbinden. Entscheidend ist dabei die bewusste Gestaltung von Licht – seiner Farbe, Richtung und Steuerung – im Kontext der umgebenden Landschaft und Ökologie.
Verantwortungsvolle urbane Beleuchtung ist kein Verzicht, sondern bewusste Gestaltung. Sie schafft Räume, die nachts erlebbar, lebendig und sicher sind, und sie schützt gleichzeitig natürliche Lebensräume und Prozesse. Licht wird so nicht zum Störfaktor, sondern zum integrativen Bestandteil einer Stadt, die für Mensch und Natur gleichermaßen funktioniert – und genau das ist der Kern der Freiraumwende.